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Akquise für Satte – eine Qual für alle

Mittwoch, Mai 21st, 2014

 

Gehen Sie mal durch Einkaufsparks oder -landschaften oder – höfe. Oder meinetwegen Einkaufscenter. Dort gibt es alles. Bücher, Waschmaschinen, jede Menge Mode, Dekoparadiese, Restaurants, Cafés, Eisdielen, Schnellrestaurants, Döner, Brezeln, Smoothies, Bäcker, besonders feine Käsehändler, Blumenläden, Apotheken, Schuhgeschäfte, Schuhmacher – oder besser gesagt, das, was von dem Beruf übriggeblieben ist – Schnellschuhreparateure, Friseure, Kosmetikstudios und Nailart. Fällt Ihnen noch etwas ein? Ganz bestimmt! Das Lebensmittelgeschäft! Oder genauer: der Feinkostsupermarkt.

An manchen Tagen gibt es außerdem noch Stände in den großzügig angelegten Gängen. Da stehen Autoclubs und werben um Mitgliedschaft und verteilen Tanklose. Da steht die Tageszeitung und will Freiabos für eine Woche an die Leute bringen, da steht etwas weiter die Wochenzeitung und wirbt Abonennten. Da steht ein neuer Stand, der Taschen verkauft – mitten im Gang. Eine Kosmetikberatung – ebenfalls mitten im Gang – spricht jede Kundin an, die in Rufweite an ihr vorbeigeht.

Bevor Sie in dem Laden gelandet sind, in den Sie wollen, haben Sie die Zeitungsabo abgelehnt, eine Kosmetikbehandlung abgelehnt und die Tageszeitung ignoriert. Ihr Einkaufserlebnis beginnt mit drei mal Nein und Scheuplappen vor zu viel Angebot, Auswahl und Lärm. Jeder zerrt von allen Seiten an Ihnen und will Ihre Aufmerksamkeit. Das ist nicht nur in Einkaufszentren so, das ist im Internet, in Netzwerken, auf Businesskongressenund auf Messen auch so. Wenn Sie in Online-Netzwerken die falschen Kontakte haben, kriegen Sie jede Woche eine Mail mit einem “umwerfenden,” “einmaligen”, “sensationellen” Angebot. Oder Sie bekommen täglich eine Erinnerung, dass Sie sich noch nicht angemeldet haben: “Nur noch vier Tage…”, “nur noch drei Tage…” – - – Haben Sie mal gezählt, wieviele Mails Sie ungelesen in den Papierkorb werfen? Wie oft in der Woche Sie Werbeanrufe abwürgen oder einfach wegdrücken?

Wir sind alle von Werbung und Akquiseversuchen überfüttert. Wie sind es so satt. Außerdem haben wir alles und brauchen nichts mehr. Ja, sagen Sie vielleicht, aber trotzdem muss ich akquirieren. Entweder um die Zahlen zu erfüllen oder um zu überleben. Wie soll das funktionieren mit umlärmten zugemüllten Menschen, die sich eigentlich nach Ruhe sehnen?

Es funktioniert mit Dezenz oder Taktgefühl. Mit dem Ziel, eine Beziehung aufzubauen oder eine bestehende Beziehung zu pflegen. Wenn Sie mit dem Ziel in ein Gespräch gehen “ich brauche heute noch drei Zusagen” oder “er muss jetzt aber eine Bestellung machen”, setzen Sie sich und ihre Gesprächspartner unter Druck. Das macht keinen Spaß. Wie wär es stattdessen mit dem Ziel: Ich will mich in Erinnerung bringen und uns beiden ein gutes Gespräch bescheren. Das hilft sicher eher dabei, sich auf den Menschen zu konzentrieren, mit dem Sie es gerade zu tun haben. Vielleicht wirkt ein solches Gespräch wie eine Oase der Freundlichkeit und Wertschätzung, das Ihnen beiden den Tag verschönert.

Und Ihr Gegenüber denkt: Rufen Sie doch gerne wieder mal an!